19. Oktober 2025, morgens um 9 Uhr:
Das Thermoleibchen sass, die langen Unterhosen zwickten an der richtigen Stelle, und insgesamt trugen wir so viele Schichten, dass man uns problemlos für Michelin-Männchen auf zwei Rädern hätte halten können. Trotzdem fühlte es sich an, als hätten wir die tropischen Temperaturen eines durchschnittlichen Kühlschranks erreicht.

Abfahrt Richtung Autobahnraststätte Pratteln, wo sich ein weiteres Zwärgli-Motorrad zu unserer fröstelnden Truppe gesellte. Gemeinsam zitterten wir tapfer weiter nach Stein, wo bereits der letzte Biker wartete – vermutlich schon länger, aber immerhin mit Fingerspitzen, die noch Gefühl hatten.

Dann ging’s zügig über die Grenze nach Wehr, wo eine dringend nötige Aufwärmpause eingelegt wurde. Kaffee: heiss. Finger: langsam wieder entkrampfend. Stimmung: auftauend.

Wieder halbwegs beweglich setzten wir die Fahrt fort – gemütlich, zumindest für die meisten. Angeblich soll einer etwas nah aufgefahren sein. Vielleicht lag’s am Fahrtwind. Vielleicht am Koffeinüberschuss. Oder vielleicht wollte er nur sicherstellen, dass niemand erfriert.

Im Schwarzwald ging es dann weiter – Kurven, Wälder, Aussicht… und die Frage, ob Thermoleibchen wohl auch in XXL erhältlich sind.

Im Schwarzwald zeigte sich dann, wieso dieses Gebiet so beliebt ist: traumhafte Kurven, dichter Wald und Temperaturen, die uns daran erinnerten, warum Pinguine keine Motorräder fahren. Unsere Maschinen schnurrten, unsere Nasen tropften – ein perfektes Gleichgewicht.

In St. Blasien entschieden wir uns für eine Mittagspause in einem dieser charmanten Schwarzwald-Dörfer, in denen die Uhr gefühlt seit 1983 stehen geblieben ist. Dort gab’s ein leckeres Essen und Diskussionen darüber, wer denn jetzt wirklich „zu nah“ aufgefahren war. Der Beschuldigte stritt alles ab, natürlich. Und die anderen hatten zu kalte Finger, um Beweise vorzulegen.

Gestärkt und wieder etwas beweglicher begaben wir uns zurück auf die Strasse. Die Sonne zeigte sich gnädig, zumindest für drei Minuten, bevor sie uns wieder im Stich liess. Doch egal – der Sound der Motoren hielt uns warm. (Also… psychologisch gesehen.) Ein weiterer Stop wurde in Graufenhausen bei der Badische Staatsbrauerei Rothaus eingelegt. Toll, Motorrad fahren und bei einer Brauerei Halt machen, wer kommt den auf ein solche Idee…

Als wir schliesslich zurück Richtung Heimat rollten, waren wir überzeugt:
Wir sind zwar leicht durchgefroren, aber eindeutig noch fahrtüchtig – und viel wichtiger: bestens gelaunt.

Am Ziel angekommen verabschiedeten wir uns mit steifen Umarmungen und der Erkenntnis, dass warme Kleidung zwar viel kann, aber Wunder dann doch nicht vollbringt. Trotzdem war’s ein genialer Ausflug – kalt, aber herzlich. Eben genau so, wie eine gute Saison-Endfahrt sein muss.

Megge, Chantal, Nina, Andi, Nicole, Thommy